Forum-Breadcrumbs - Du bist hier:Forum Kategorie: Diskussionsforum Xylometazolin
Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Xylometazolin

Bei genauerem Betrachten der Packungsbeilage des Nasensprays mit dem Wirkstoff Xylometazolin (s. Anhang) fiel mir auf, dass Tachykardie und Hypertonie gelistete Nebenwirkungen sind. Bei Überdosierung und bei Kindern, wird jedoch auch Bradykardie und Hypotonie gelistet. Wie kann das sein?

Benjamin Matei hat auf diesen Beitrag reagiert.
Benjamin Matei

Hey Chris,

gute Frage!
Der Grund für diese Bradykardie, die auch Reflex-Bradykardie genannt wird ist vor allem der Barorezeptorreflex. Wie kommt es nun dazu?

Vorerst noch kurz zum eigentlichen Wirkmechanismus:
In erster Linie handelt es sich bei dem Medikament um einen alpha-1-Agonisten. Dieser verursacht lokal eine alpha-1-Rezeptor-vermittelte Vasokonstriktion. Durch die Applikation in der Nasenschleimhaut (welche sehr gefäßreich ist) kommt es in der Nasenschleimhaut auch zur Vasokonstriktion und der gewünschte Effekt des Abschwellens der Nasenschleimhaut entsteht. Bis hierhin ist auch alles gut und wir haben die gewünschte Wirkung.

Die kardiovaskulären Nebenwirkungen entstehen dadurch, dass die Nasenschleimhaut eben so gut durchblutet ist und sich der eigentlich lokal verabreichte Wirkstoff weiter im gesamten Blutgefäßsystem verteilt. Es kommt also auch in weiteren Gefäßen zur Vasokonstriktion, folglich auch zu einer Hypertension (da es mehr Druck braucht um das Blut durch die engeren Gefäße zu pumpen). Ich denke bis hierhin war dir alles klar.

Es kann jedoch auch weiters noch zu sekundären Nebenwirkungen kommen, die besonders bei hohen Dosen oder eben Kindern auftreten (man vermutet, weil durch vermehrte Benutzung und bei Kindern noch mehr Wirkstoff durch die Nasenschleimhaut hindurchgelangt). Dieser lipophile Wirkstoff kann eben auch sehr leicht systemisch absorbiert werden und sogar die Blut-Hirn-Schranke überqueren. Durch das kann sich die Vasokonstriktion bis in die Peripherie ausbreiten (teilweise sogar noch über alpha-2 Adrenozeptoren weitere Vasokonstriktion verursachen).

Die Hypertension, ausgelöst durch die Vasokonstriktion wird dann von den Barorezeptoren im Sinus Caroticus und Aortenbogen wahrgenommen und es kommt zu eine reflexartigen Aktivierung des Parasympathikus um den hohen Blutdruck entgegenzusteuern. Als Reaktion auf den aktivierten Parasympathikus entstehen dann sekundär Bradykardie und Hypotonie durch die Vasodilatation.

Hier ist ein Fall bei dem es bei einem 2jährigen Patienten tatsächlich zur Reflex-Bradykardie kam (jedoch mit Oxymetazolin):

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8534470/

Als Quellen habe ich diesen PubMedCentral Artikel

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4402865/

und diesen Elsevier Artikel:
https://reader.elsevier.com/reader/sd/pii/095281809500060U?token=87C717F524312C94D1AC25A0CAA5CF37CAF75792DF267CC4DE67229CBEB8DA000EACF22CCBE23AADCCB5F4898AD0FDEF&originRegion=eu-west-1&originCreation=20211123161510
genutzt.

Als Gast schreiben oder anmelden / registrieren.