Forum-Breadcrumbs - Du bist hier:Forum Kategorie: Diskussionsforum Lidocain für Babys
Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Lidocain für Babys

Wir haben in der Vorlesung von Lidocain gehört, welches als Antiarrhythmikum und als Lokalanästhetikum eingesetzt wird. Ein Zahngel für Babies mit Lidocain wird immer wieder kontrovers diskutiert. Wieso? Gibt es unterschiedliche Präparate und gibt es Alternativen?

Hi Julia,

Die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt vor der Anwendung viskoser Lösungen mit 2 Prozent Lidocain, um Zahnungsbeschwerden bei Babys und Kleinkindern zu lindern.Oral resorbiertes Lidocain kann laut FDA zu Krampfanfällen, schweren Hirnschäden und Herzproblemen führen. In Deutschland ist als vergleichbares Präparat Xylocain® Viscös 2 Prozent verfügbar. Es ist zugelassen für Erwachsene und Kinder aller Altersklassen zur lokalen Nervenblockade (Ausschaltung des Schmerzempfindens der Schleimhaut) sowie als Gleitmittel bei innerlichen Untersuchungen und Einführung eines Beatmungsrohrs.

In Deutschland ist das apothekenpflichtige Präparat Dynexan® Mundgel auch zur Behandlung von Schmerzen im Mundraum für Kleinkinder und Säuglinge zugelassen. Es enthält 2 Prozent (20 mg/g) Lidocainhydrochlorid. Als Maximaldosis ist viermal täglich ein erbsengroßes Stück (circa 0,2 g Gel) angegeben, was maximal 16 mg Lidocain am Tag entspricht. Insbesondere Kinder sollen nach der Anwendung nicht trinken oder essen. Bisher sind nach aktueller Fachinformation (Stand Februar 2012) keine Intoxikationen nach Anwendung von Dynexan Mundgel bekannt. Das ebenfalls apothekenpflichtige Kamistad® Gel enthält auch 2 Prozent (20 mg/g) Lidocainhydrochlorid, sollte jedoch laut Packungsbeilage nicht bei Kindern unter zwölf Jahren angewendet werden. Kamistad® Baby Gel enthält kein Lidocain, sondern Kamillenextrakt und gilt als Kosmetikum. Dentinox® N Zahnungshilfe für Säuglinge enthält neben Kamillenextrakt 0,34 Prozent (3,4 mg/g) Lidocainhydrochlorid. Es ist nicht apothekenpflichtig und mittlerweile in Drogerieregalen zu finden.

 

Dynexan-Hersteller Kreussler Pharma betont in einer Klarstellung an die Fachmedien, dass sich die FDA-Warnung nicht auf die deutschen Lidocain-haltigen Gele übertragen lasse. Bei den beschriebenen Fällen handle es sich um Zwischenfälle mit Flaschen mit (viskoser) Lidocain-Lösung. Dabei sei es zu massiven Überdosierungen gekommen, bei denen die Lösung tee- oder sogar esslöffelweise verabreicht wurde oder Kinder unbeaufsichtigt aus den Flaschen tranken. Eine 100-Milliliter-Flasche enthalte die zehnfache Menge des Inhalts einer 10-Gramm-Geltube, die zudem von Kleinkindern kaum komplett in den Mund entleert werden könnte. Die Firma betont, dass derartige Zwischenfälle bislang in Deutschland nicht gemeldet wurden.

 

Quelle: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/2014-07/vorsicht-bei-lidocain-praeparaten-fuer-zahnende-kinder/

Hallo Julia,

schon 2014 gab es viel Kritik zu Lidocain Produkten für Kinder und Babys. Die FDA warnte damals vor Lidocain-Präparaten, welche die Zahnungsbeschwerden lindern. Es kam in den vergangenen Jahren zu einigen Fällen von Überdosierungen und sogar Todesfällen durch Verschlucken der 2%-igen Lidocain Präparate (vgl. Xylocain Suspension in Deutschland). Oral resorbiert kann es zu Krampfanfällen, Hirnschäden und Herzproblemen führen (wie wir auch in der Vorlesung gehört haben). Die Kritik die geäußert wird, bezieht sich auf Produkte in den USA, die nicht für den Einsatz bei Zahnungsbeschwerden zugelassen sind, jedoch rät die FDA generell von topischen OTC-Schmerzmitteln für die Kauleiste ab. In Österreich und Deutschland ist die Zulassung von Xylocain auf einige wenige Indikationen begrenzt: bei schmerzhaften Eingriffen an der Harnröhre, schmerzhafter Urethritis und als Anästhesie Gleitmittel zur Intubation.

Kürzlich (Herbst 2021) gab es die Vermutung, dass das in Österreich bekannte Dentinox vom Markt genommen wird, weil es einige Lieferschwierigkeiten gab. Es wurden jedoch nur einige neue Zertifikate beantragt die länger gedauert haben, als vermutet.

In Deutschland ist ein anderes vergleichbares Produkt für die Anwendung bei Kindern zugelassen: Dynexan Mundgel. Es ist zwar ein 2%-iges Lidocainhydrochlorid Präparat (20mg/g) jedoch wird maximal 4x täglich 0,2g (erbsengroße Portion) des Gels aufgetragen, was insgesamt einer Wirkstoffmenge von maximal 16 mg pro Tag entspricht. Hier sind mit Stand Februar 2012 bisher keine Fälle der Intoxikationen bekannt und dies ist laut Hersteller völlig unbedenklich in der Anwendung.

Ein weiteres deutsches Präparat ist Kamistad welches ebenso 2% Lidocainhydrochlorid und zusätzlich Kamillenextrakt enthält, ist für Kinder unter 12 Jahren aber nicht zugelassen. Das selbe Präparat ohne Lidocain - Kamistad Baby - ist als Kosmetikum für Zahnbeschwerden zugelassen. Dentinox N Zahnungshilfe (in Österreich sehr bekannt) ist ein weiteres Gel mit 0,34% Lidocainhydrochlorid und Kamillenextrakt und ist ebenso als Zahnungshilfe zugelassen. Bei Dynexan und Dentinox sollte darauf geachtet werden, dass das Kind danach weder isst noch trinkt.

Was die Nebenwirkungs-Häufigkeit anbelangt, muss jedoch zwischen den europäischen und den amerikanischen Präparaten bzw. Anwendungen unterschieden werden. Die FDA warnt vor viskosen Lösungen mit Lidocain bei Kindern und nicht vor den Lidocain-haltigen Gelen die speziell für diesen Nutzen zugelassen sind. Diese Lösungen wurden teils löffelweise verabreicht und Kinder tranken unbeaufsichtigt diese Lösungen. So eine Flasche Xylocain enthält 10-fach so viel Wirkstoff wie eine gesamte 10g-Tube eines Gels die auch von Kindern nicht selbst genutzt werden können.

Als Alternative für unsichere Eltern bieten sich reines Kamillenextrakt bzw. Kamillenöl oder Nelkenöl an. Beide haben schmerzlindernde, wundheilende, entzündungshemmende und desinfizierende Eigenschaften. Nelkenöl wirkt zusätzlich lokal betäubend. Dies sind zwei Optionen die rein pflanzlich und ohne Lidocain sind jedoch gibt es auch Kombinationspräparate wie Dentinox, die zwar Kamillenextrakt enthalten, aber eben auch Lidocainhydrochlorid. Die FDA betrachtet generell Schmerzmittel für die Kauleiste als “nicht sinnvoll und notwendig” und empfiehlt das aktive kühlen und massieren der Stellen.

 

 

Quellen:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2014/07/03/fda-warnt-vor-lidocain-loesung-bei-zahnenden-kindern

https://www.dental-nursing.co.uk/news/dentists-warn-of-risky-teething-products

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/2014-07/vorsicht-bei-lidocain-praeparaten-fuer-zahnende-kinder/

https://orthopaedie-innsbruck.at/xylocaine-8442#indications

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pta-live/dentinox-fehlt-welche-alternativen-gibt-es-zahnungshilfe-nicht-lieferbar/

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2015/daz-42-2015/zahnen-ohne-qualen

 

Als Gast schreiben oder anmelden / registrieren.