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Kaliumiodid bei Hyperthyreose indiziert oder kontraindiziert?

Guten Abend,
In Sketchy wurde bezüglich Kaliumiodid gesagt, dass es gegen Hyperthyreose verwendet wird/wurde, laut PMU 300 heißt es jedoch, dass Kaliumidoid bei der Hyperthyreose kontraindiziert ist. Ich frage mich was davon denn nun stimmt?

Vielen Dank!

Benjamin Matei hat auf diesen Beitrag reagiert.
Benjamin Matei

Guten Abend Christian,

ich würde vorab mit einigen Indikationen für eine Therapie mit Kaliumiodid beginnen:

  1. In erster Linie dient Kaliumiodid, so wie es auch in der PMU300 steht, als ein Supplement zur Diät. Als solches wird es genutzt bei Patienten die zu geringe Iod-Mengen zu sich nehmen. Damit lässt sich also gut eine euthyreotische Struma behandeln.
  2. Tatsächlich wurde Kaliumiodid va früher als Langzeittherapie benutzt um Hyperthyreose zB in Mb Basedow zu behandeln. Jedoch ist bei vielen Patienten die Schilddrüse dem durch zu viel Iod verursachtem Schilddrüsenhormon-Block entkommen bzw. hat sich davon erholt und die Hyperthyreose hatte sich wieder eingestellt oder sogar verschlimmert. Deswegen hat man sich immer mehr für die Alternativen Propylthiouracil und Methimazol entschieden.

    Allerdings ist es deswegen nicht gänzlich unnütz, wie in diesem Artikel von der American Thyroid Association klar wird:
    Bei zwei Dritteln der Patienten die starke Nebenwirkungen mit den üblichen Thyreostatika hatten, war die Behandlung mit Kaliumiodid effektiv und Nebenwirkungsärmer. 40% davon hatten danach sogar einen euthyroiden Zustand und mussten keine weiteren Medikamente mehr nehmen. Das Resultat der Studie war, dass Methimazol und Propylthiouracil zwar immer noch das erste MdW sind, aber in Fällen von starken Nebenwirkungen gegen diese Medikamente, Kaliumiodid eine effektive Alternative sein kann.
    (https://www.thyroid.org/patient-thyroid-information/ct-for-patients/volume-8-issue-2/vol-8-issue-2-p-3-4/)

    Dazu kommt dieser Artikel von dem National Center for Biotechnology Information (2021) in dem Kaliumiodid durchaus als Medikament im Falle einer Hyperthyreose bezeichnet wird. Allerdings nur als präoperative Behandlung im Falle einer Thyroidectomie zB bei Mb. Basedow (da es die Vaskularisation der Schilddrüse hemmt) oder in Kombination mit Thyreostatika (s.o.) oder aber auch im Falle einer thyreotoxischen Krise.
    (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK542320/)

    3. Interessanterweise wird Kaliumiodid auch im Strahlenschutz verwendet als Prophylaxe bei Unfällen in kerntechnischen Anlagen. In solchen Fällen wird es vorbeugend verabreicht um als Iodblockade zu dienen. Es wird hochdosiert stabiles (nicht-radioaktives) Iod verabreicht um zu verhindern, dass die Schilddrüse radioaktives Iod aus der Umgebung aufnimmt.

Weiter möchte ich kurz etwas zum Wirkmechanismus sagen um diese Indikationen zu erklären:

In euthyroiden Patienten führt Kaliumiodid zu einer Verringerung der Schilddrüsenhormonsekretion wodurch es aber auch zu einer Erhöhung des TSH-Spiegels im Serum kommt (Dieser Effekt ist allerdings ungeklärt s. uptodate Quelle)
Zu anderem führt es auch zu einer Inhibition der Schilddrüsenhormon Synthese über den Wolff-Chaikoff-Effekt.
Dieses Zitat erklärt diesen Effekt finde ich am Besten:
„The administration of KI leads to temporary inhibition of iodine organification in the thyroid gland, thereby decreasing thyroid hormone biosynthesis, a phenomenon called the Wolff-Chaikoff effect. However, within two to four weeks of continual exposure to excess iodine, organification, and thyroid hormone, biosynthesis resumes normally, called escape from the Wolff-Chaikoff effect. This phenomenon is produced by lower iodide uptake during the escape from the acute Wolff–Chaikoff effect. It results from a decrease in Na+/I– symporter (NIS) expression, except in abnormal autoregulation of the iodine in autoimmune thyroid disease“

Insgesamt lässt sich sagen, dass beides Auftreten kann:

Eine Hypothyreose als Nebenwirkung durch den Wolff-Chaikoff-Effekt (als gewünschtes Ergebnis bei Behandlung von Mb. Basedow) aber auch eine Verschlimmerung einer latenten Hyperthyreose in eine manifeste Hypertherose, aufgrund der hohen Iod-Zufuhr. (Gemäß Bundesamt für Strahlenschutz - https://www.bfs.de/DE/themen/ion/notfallschutz/notfall/fukushima/jodblockade.html)

Ich hoffe das konnte dir aufzeigen warum es hier zu widersprüchlichen Aussagen kommt.

Das war eine äußerst hilfreiche Quelle:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11396709/

Weitere Quellen:
https://www.uptodate.com/contents/iodine-in-the-treatment-of-hyperthyroidism
https://www.pschyrembel.de/Kaliumjodid/K0BBH

c.stammkoetter@stud.pmu.ac.at hat auf diesen Beitrag reagiert.
c.stammkoetter@stud.pmu.ac.at

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