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Depressionsrisiko und geschlechtlicher Unterschied

Hallo! In der Vorlesung haben wir besprochen, dass Frauen ein höheres Depressionsrisiko haben als Männer…Weiß man, worauf das zurückzufüren ist?

Guten Abend Julia!

Statistisch gesehen sind laut dem Artikel auf der Website der Mayoklinik (erste Quelle) Frauen einem rund doppelt so hohen Risiko einer Depression ausgesetzt wie Männer. Anscheinend spielen hierbei sowohl der hormonelle Kreislauf der Frau, besonders das Östrogen, als auch die immernoch nicht hundertprozentige Gleichstellung von Frau und Mann und auch die Lebensereignisse, die Frauen durchleben, eine Rolle.

Bis einschließlich der Pubertät sind die Risiken beider Geschlechter wohl noch recht nah beieinander.

Danach zeichnen sich dann einige Unterschiede ab, die als Trigger von Depressionen verschieden wirken können.

Viele Frauen haben Probleme mit prämenstruellen Symptomen (PMS), die ein generelles Unwohlsein und Stimmungsschwankungen mit sich führen können, sodass hier sogar eine eigene Art der Depression differenziert wird: Die Premenstrual dysphoric disorder PMDD, die wohl im Allgemeinen einer Therapie bedarf.
Ein weiterer, für viele Frauen belastender Lebensabschnitt ist die Schwangerschaft, die auch wiederum mit neuen Ängsten, Aufgaben und Sorgen gepaart mit hormonellen Veränderungen einhergeht.

Auch Postpartum haben viele Frauen aus denselben Gründen und der Konfrontation mit dem komplett veränderten Leben und dem Ende der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko, etwa für die sog. „Wochenbettdepression“, welche sogar 10-15 % der Frauen betrifft.
Die nächste hormonell „neue“ und schwankende Situation ist die Menopause, welche besonders gepaart mit neuen Lebensumständen Einflüsse auf die Psyche nehmen kann.

All diese hormonell variierenden Zeiten bleiben in dieser Art dagegen beim Mann aus und könnten somit die zahlenmäßige Lücke erklären.

Gesellschaftlich kämpfen einige Frauen auch immer noch mit unfairen Einfluss- oder Status-Verhältnissen, Arbeitsüberforderung oder sogar sexueller/ körperlicher Misshandlung. Diese Ereignisse scheinen zumindest statistisch nach wie vor mehr Frauen zu betreffen und psychisch zu belasten.

(Im Allgemeinen soll das aber weder implizieren, noch darauf hinausführen, dass Frauen ein "härteres" Leben haben o.Ä.! Lediglich wird der doch etwa bei 1,7-2 liegende Faktor, der hier die Häufigkeit einer Depression unter den Geschlechtern voneinander trennt, versucht zu erklären!)

Das Hormon Östrogen scheint außerdem auch im direkten Vergleich eine große Rolle zu spielen. Anscheinend wirkt dieses beim Mann nach der Umwandlung aus Testosteron durch das CYP19 und anhand anderer Rezeptoren im Gehirn sogar positiver und protektiv. Auch die Androgen-Rezeptoren im männlichen Gehirn scheinen, etwa in den Hippocampus-Neuronen, protektiv zu wirken. Außerdem haben Männer keinen den nahezu ganzen Körper beeinflussenden Testosteron-Zyklus wie Frauen bei Östrogen und sogar „sexually dimorphic brain nuclei“, die im Hypothalamus eventuell eine ganz andere, komplexe Grundsituation bedingen könnten, die über Hormone hinaus die Gehirnentwicklung betreffen. Dieser Teil ist anscheinend aber noch nicht so genau verstanden...

Ich hoffe das konnte deine Frage beantworten... schönen Abend noch! 🙂

Quellen:

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