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Amiodaron und Schilddrüse

Wie kann es sein, dass die Einnahme von Amiodaron sowohl zu einer Hypothyreose als auch zu einer Hyperthyreose führen kann?

Allgemein kann bei thyroidalen Nebenwirkungen unter der Anwendung von Amiodaron kein Zusammenhang zu Serumkonzentrationen des Medikaments hergestellt werden. Schon bei sehr geringen Mengen konnten Nebenwirkungen an der Schilddrüse beobachtet werden. Unter den behandelten Patienten entwickelt ca. die Hälfte Nebenwirkungen an der Schilddrüse. Ob es nun zu einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kommt, hängt von verschiedenen Faktoren, wie dem immunologische Ausgangszustand der Schilddrüse, der Jodversorgung und dem Geschlecht ab.

Hypothyreosen werden besonders bei Frauen mit einer Immunthyreoiditis vom Typ Hashimoto beobachtet. In Gebieten mit ausreichender Jodversorgung wird auch eher eine Unterfunktionen der Schilddrüse registriert.

Der Pathomechanismus einer Amiodaron-assoziierten Hypothyreose steckt vermutlich hinter einer gestörten Autoregulation der Schilddrüse, die der hohen Jodexposition zu schulden ist. Dies hemmt die Bildung von bioaktiven Schilddrüsenhormon. Durch eine zu Grunde liegende Hashimoto kann die Empfindlichkeit und damit die inhibitorischen Effekte der Schilddrüse gegenüber hohen Iodmengen noch einmal verstärkt sein.

Beim Vorliegen einer latenten Immunhyperthyreose vom Typ Morbus Basedow oder Knotenstruma mit latenter Autonomie kommt es häufiger zu eine Hyperthyreose. Auch in Jodmangel Gebieten kommt es vermehrt zu Hyperthyreosen, wenn mit Amiodaron behandelt wird.

Wenn Personen eine soweit unauffällige Schilddrüsenfunktion aufweisen, kann es unter den Einwirkungen von Amiodaron oder dem hohen Iodgehalt des Medikaments zu einer destruierenden Thyreoditis kommen, die in weiterer Folge die Ursache für die auftretende Hyperthyreose sein kann.

Bei einer durch Amiodaron verursachten Hyperthyreose sind zumeist zwei Mechanismen beteiligt: eine Überproduktion und eine gesteigerte Freisetzung von Schilddrüsenhormon. Wenn die Autoregulation (Wolff Chaikoff-Effekt) versagt und gleichzeitig der Schilddrüse sehr viel Iod angeboten wird, führt das zur ungehemmten Produktion von Schilddrüsenhormon. Durch die toxische Wirkung von Amiodaron wird das Parenchym der Schilddrüse zerstört und anschließend sind Nekrosen, Apoptosen und reparative Fibrosen als Zeichen einer destruierenden Thyreoditis mirkoskopisch zu erkennen. Die Zerstörung der Follikel führt zu Ausschwemmung von präformierten Schilddrüsenhormon und somit zu einer Freisetzungsthyreoditis.

 

https://www.aerzteblatt.de/archiv/16391/Stoerungen-der-Schilddruesenfunktion-durch-Amiodaron-Pathogenese-Diagnostik-und-Therapie

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15989900/

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31274186/

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edermag1

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